Große Einsatzübung in Niederwerrn

Niederwerrn | 30. September 2026, 17:43 Uhr

Am Dienstagabend beteiligte sich die Freiwillige Feuerwehr Euerbach an einer groß angelegten Schau- und Einsatzübung an der Hugo-von-Trimberg-Schule in Niederwerrn. Gemeinsam mit den Feuerwehren aus Niederwerrn und Oberwerrn sowie dem Rettungsdienst des BRK – Ortsverband Schweinfurt wurde unter möglichst realitätsnahen Bedingungen das Zusammenspiel verschiedener Einsatzkräfte bei einer komplexen Schadenslage trainiert.

Um 17:43 Uhr erfolgte die Alarmierung der beteiligten Feuerwehren wie bei einem realen Einsatz über Sirene und Funkmeldeempfänger. Da es sich um eine Einsatzübung handelte, war das vorbereitete Szenario für die anrückenden Einsatzkräfte im Vorfeld nicht bekannt. Erst während der Anfahrt erhielten die Einsatzkräfte über Funk die ersten Informationen zur angenommenen Schadenslage.

Komplexe Lage auf dem Schulgelände

Beim Eintreffen an der Einsatzstelle erwartete die Einsatzkräfte ein anspruchsvolles Szenario mit mehreren Einsatzabschnitten, die teilweise gleichzeitig abgearbeitet werden mussten.

Angenommen wurde zunächst ein Verkehrsunfall mit zwei beteiligten Fahrzeugen. Ein Pkw war im Bereich des Schulgebäudes verunfallt und in Brand geraten. In dem Fahrzeug befanden sich Personen, die durch die Feuerwehr gerettet werden mussten.

Ein zweiter Pkw war gegen eine Mauer auf dem Schulgelände gefahren und anschließend auf der Seite zum Liegen gekommen. In diesem Fahrzeug waren zwei Personen schwer verletzt und eingeklemmt.

Doch damit nicht genug: Im weiteren Verlauf wurde das Übungsszenario nochmals deutlich erweitert. Der Hausalarm der Schule löste aus und mehrere Personen kamen mit angenommenen Rauchgasvergiftungen aus dem Gebäude. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich noch weitere vermisste Personen innerhalb des Schulgebäudes befanden.

Innerhalb kürzester Zeit mussten somit Brandbekämpfung, technische Rettung, Menschenrettung unter schwerem Atemschutz, Verkehrs- und Einsatzstellenabsicherung sowie die medizinische Versorgung zahlreicher Verletzter parallel organisiert und durchgeführt werden.

Feuerwehr Euerbach übernimmt technische Rettung

Die Feuerwehr Euerbach übernahm innerhalb des Übungsszenarios mehrere wichtige Aufgaben.

Mit unserem Mehrzweckfahrzeug Florian Euerbach 11/1 wurde die Verkehrs- und Einsatzstellenabsicherung übernommen, um einen geschützten Arbeitsbereich für die eingesetzten Kräfte zu schaffen.

Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit lag auf der technischen Rettung der beiden schwer verletzten und eingeklemmten Personen aus dem auf der Seite liegenden Pkw.

Hierzu kam hydraulisches Rettungsgerät zum Einsatz. Zunächst musste das Unfallfahrzeug entsprechend gesichert und stabilisiert werden. Anschließend galt es, einen möglichst schonenden und sicheren Zugang zu den beiden Verletzten zu schaffen und diese aus dem Fahrzeug zu befreien.

Gerade ein auf der Seite liegendes Fahrzeug stellt bei der technischen Rettung besondere Anforderungen an die Einsatzkräfte. Neben der eigentlichen Befreiung der Personen müssen unter anderem die Stabilität des Unfallfahrzeuges, der notwendige Arbeitsraum für Feuerwehr und Rettungsdienst sowie ein geeigneter und möglichst schonender Rettungsweg berücksichtigt werden.

Parallel zur technischen Rettung stellte die Feuerwehr Euerbach einen Atemschutztrupp für den Einsatz innerhalb des Schulgebäudes. Unter schwerem Atemschutz ging dieser zur Menschenrettung in das Gebäude vor und unterstützte die Suche nach den dort vermissten Personen.

Menschenrettung und Brandbekämpfung

Die Einsatzleitung der gesamten Übung wurde durch die Feuerwehr Niederwerrn übernommen. Von dort aus mussten die verschiedenen Einsatzabschnitte koordiniert und die anstehenden Aufgaben auf die verfügbaren Einheiten verteilt werden.

Die Kräfte der Feuerwehr Niederwerrn übernahmen unter anderem die Brandbekämpfung am angenommen brennenden Pkw und die Rettung der darin befindlichen Personen.

Gleichzeitig wurden mehrere Atemschutztrupps in das Schulgebäude geschickt, um die dort vermissten Personen zu suchen und ins Freie zu bringen.

Diesen Abschnitt leitete die Feuerwehr Oberwerrn und ging mit mehreren Atemschutzgeräteträgern zur Menschenrettung in das Schulgebäude vor.

Bei der Rettung der eingeschlossenen beziehungsweise vermissten Personen kamen unterschiedliche Rettungswege und -mittel zum Einsatz. Unter anderem wurden Personen mit Fluchthauben durch das Gebäude ins Freie gebracht. Weitere Rettungen erfolgten über Leitern.

Gerade die Vielzahl der gleichzeitig laufenden Maßnahmen stellte hohe Anforderungen an die Koordination und Kommunikation zwischen Einsatzleitung, den einzelnen Einsatzabschnitten und den eingesetzten Trupps.

Rettungsdienst mit vier Rettungswagen im Einsatz

Auch der Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes – Ortsverband Schweinfurt war umfangreich in das Übungsgeschehen eingebunden und mit insgesamt vier Rettungswagen vor Ort.

Nach der Rettung der Verletzten durch die Feuerwehr wurden diese an den Rettungsdienst übergeben.

Dort erfolgten die Sichtung, Betreuung und medizinische Versorgung der Patienten. Anschließend wurde im Rahmen der Übung auch der weitere Transport der Verletzten in geeignete Krankenhäuser dargestellt.

Damit konnte nicht nur die Arbeit der einzelnen Organisationen trainiert werden. Ein besonderer Schwerpunkt lag auch auf den wichtigen Schnittstellen zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst – beispielsweise bei der Versorgung eingeklemmter Personen während einer technischen Rettung und bei der anschließenden Übergabe der Patienten.

Zahlreiche Personen erfolgreich gerettet

Nach rund eineinhalb Stunden waren sämtliche vorbereiteten Einsatzabschnitte erfolgreich abgearbeitet.

Insgesamt konnten im Verlauf der Übung über 10 Personen aus den verschiedenen angenommenen Gefahrenlagen gerettet und zur weiteren Versorgung an den Rettungsdienst übergeben werden.

Im Anschluss kamen die beteiligten Einsatzkräfte zu einer gemeinsamen Nachbesprechung zusammen. Dabei wurden der Ablauf der Übung, die Zusammenarbeit der verschiedenen Einheiten sowie die während der Übung gewonnenen Erkenntnisse besprochen.

Realistische Verletzten-Darstellung

Ein wichtiger Bestandteil einer solchen Einsatzübung ist eine möglichst realitätsnahe Darstellung der angenommenen Schadenslage.

Ein besonderer Dank gilt deshalb auch der Notfalldarstellungsgruppe, die die verschiedenen Verletztenrollen übernahm und damit wesentlich zu den realistischen Bedingungen während der Übung beitrug.

Für Einsatzkräfte bedeutet dies, dass nicht nur technische Abläufe trainiert werden können. Auch die Kommunikation und Betreuung von Verletzten sowie die Einschätzung unterschiedlicher Verletzungsmuster werden dadurch wesentlich realistischer dargestellt.

Gemeinsames Training für den Ernstfall

Solche Einsatzübungen sind ein wichtiger Bestandteil der regelmäßigen Aus- und Fortbildung unserer Einsatzkräfte.

Gerade größere Schadenslagen lassen sich in der Realität nur gemeinsam bewältigen. Unterschiedliche Feuerwehren und weitere Hilfsorganisationen müssen innerhalb kürzester Zeit zusammenarbeiten, obwohl die beteiligten Kräfte im alltäglichen Übungsdienst nicht regelmäßig miteinander trainieren.

Umso wichtiger ist es, bei gemeinsamen Übungen die Kommunikation, Führungsstrukturen und Schnittstellen zwischen den einzelnen Organisationen zu erproben und weiter zu verbessern.

Denn wenn es tatsächlich zu einem größeren Einsatz kommt, müssen die Abläufe funktionieren und die verschiedenen Einheiten möglichst reibungslos ineinandergreifen.

Kameradschaftlicher Abschluss im Feuerwehrhaus

Nach rund eineinhalb Stunden intensiver Übungsarbeit und der anschließenden gemeinsamen Nachbesprechung war der Abend für die Einsatzkräfte noch nicht ganz beendet.

Im Feuerwehrhaus Niederwerrn kamen alle Beteiligten anschließend zu einem gemeinsamen Essen zusammen. In entspannter Atmosphäre bot sich dabei die Gelegenheit, sich auch abseits des eigentlichen Übungsgeschehens auszutauschen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

Gerade bei organisations- und gemeindeübergreifenden Übungen gehört auch dieser kameradschaftliche Austausch dazu. Denn gegenseitiges Kennenlernen und ein gutes Miteinander tragen ebenfalls dazu bei, dass die Zusammenarbeit im Einsatzfall funktioniert.

Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle der Gemeinde Niederwerrn, die die Bewirtung für das gemeinsame Essen aller Einsatzkräfte übernommen hat.

Unser Fazit

Für die Feuerwehr Euerbach war die Einsatzübung eine wertvolle Gelegenheit, gleich mehrere wichtige Einsatzbereiche unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Neben der aufwendigen technischen Rettung zweier eingeklemmter Personen aus einem auf der Seite liegenden Pkw konnten wir auch die Menschenrettung unter schwerem Atemschutz sowie die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren und dem Rettungsdienst trainieren.

Unser besonderer Dank gilt der Freiwilligen Feuerwehr Niederwerrn, die diese umfangreiche Schau- und Einsatzübung geplant, vorbereitet und organisiert hat.
Danke an Thomas Schumm für die tolle Moderation der Schauübung für die Besucher.

Ebenso bedanken wir uns bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberwerrn, den Einsatzkräften des Bayerischen Roten Kreuzes Schweinfurt, der Notfalldarstellungsgruppe sowie allen weiteren Beteiligten für die professionelle und kameradschaftliche Zusammenarbeit.

Ein weiterer Dank geht an die Gemeinde Niederwerrn für die Übernahme der Verpflegung und die damit verbundene Unterstützung aller an der Übung beteiligten Einsatzkräfte.

Eine rundum gelungene und realitätsnahe Einsatzübung, aus der alle Beteiligten wichtige Erfahrungen für zukünftige Einsätze mitnehmen konnten.

Denn eine gute Zusammenarbeit im Ernstfall beginnt mit gemeinsamem Training.